Speed-Tuning beim Käfer

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Unter der Bezeichnung Zwitter werden Lebensformen verstanden, welche beide biologische Geschlechter aufweisen. Daneben wird die Bezeichnung mit vermischten Wesen in Beziehung gebracht, wie zum Beispiel mit Fabelwesen. Wenn jedoch der Volkswagen diese Bezeichnung verwendet, dann ist diese auf ein ganz besonderes Käfermodell bezogen. Es handelt sich dabei um Modelle, welche zwischen 1952 und 1953 gebaut wurden. Diese besitzen den Mittelsteg der Brezelfenster-Fahrzeuge. Jedoch sind sie in technischer Hinsicht auf dem Stand der neueren Baureihe. Der Mittelsteg beim Heckfenster entfiel im März 1953, was die Geburt des sogenannten Ovali bedeutete.

Der blaue 52er

Die Geschichte um dieses besondere Modell gestaltet sich genauso bewegend wie die gesamte Geschichte des Käfers. Er wurde im November gebaut und im selben Jahr noch nach Schweden exportiert. Ursprünglich war das 30PS Fahrzeug kastanienbraun, wurde im Jahre 1958 in den Blauton umgespritzt. Es wurde in der Zwischenzeit nach Norwegen verkauft, wo der Besitzer ihn in einer Scheune einlagerte. 

Das Mitglied des norwegischen „Sechs Volt“ Clubs, Vegard Foseid, wurde im Jahre 2006 auf das Fahrzeug aufmerksam. So zog er das Fahrzeug auf einem Anhänger in eine Halle, welche er mit seinen Clubkollegen teilte. Dort beschloss er, den Wagen für die in Hessisch Oldendorf stattfindenden Käfertreffen im Jahre 2009 fit zu machen.

Der Käfer musste erneut fit werden

Der Wagen sah äußerlich weiterhin gut aus, doch unter der Haube befanden sich hässliche Rostnester. Der VW-Fan machte sich an die Arbeit, da der Käfer bis 2009 erneut fit werden musste. Die vergammelten Blechpartien mussten getrennt werden, zahllose Schweisspunkte mussten aufgebohrt werden und der Käfer umfangreich restauriert werden. Die Bodengruppe war gar nicht mehr zu retten. Trotz der mühseligen Arbeit hatte der Norweger nicht vor, den Look der 50er Jahre aufzugeben. Statt dessen entschied sich Vegard dazu, diesen in einen weiteren Vertreter der Stilrichtung „Vintage Speed“ werden zu lassen. 

Ein verchromtes Paar Hupen von Bosch fand auf der Vorderseite an der Karosserie Platz, Stoßstangen wurden gänzlich ausgelassen und der Käfer bekam Firestone Diagonalreifen in der Dimension 5.60-15 / 6.40-15. Diese sind auf originalen Stahlfelgen aufgezogen. Die Felgen wurden zudem hinterachsseitig auf 5 ½ Zoll Breite aufgeschweisst. Der Racinglook wird zudem durch die Antriebsachse unterstrichen, welche durch die Bereifung höhergelegt erscheint.

Selbst der Innenraum ist Racing pur

Der Innenraum des Fahrzeugs enthält weder Teppiche noch Dämmmaterial. Als Zusatzinstrumente kamen ausschließlich welche im Originallook zur Anwendung. Ansonsten veränderte Vegard nichts am ursprünglichen Aussehen des Innenraums. Dies betrifft selbst die Sitze, welche beim Fahren im Vergleich zu den heutigen Fahrzeugen eine richtige Schmerzprobe darstellen.

Bei geöffneter Motorklappe kommt jedoch ein Detail zum Vorschein, das wirklich sehenswert ist: nämlich das seltene Abarth Vergaserkit für den 30PS-Motor. Von diesem existieren heutzutage in Europa noch lediglich zwei Stück. 
Ob durch die Restauration eine Leistungssteigerung erreicht wurde, ist nicht sicher. Jedoch ist ein Zuwachs an Drehmoment deutlich spürbar.

Bei seiner Arbeit hatte sich der Norweger die größte Mühe gegeben, jede Komponente zu reinigen und funktionstüchtig zu machen. So ist das Resultat ein zu hundert Prozent technisch intaktes Fahrzeug, was Vegard durch die 1100 km lange Fahrt von Norwegen nach Hessisch Oldendorf bewies. Nach dem Käfer-Treffen ging es selbstverständlich mit dem Käfer wieder zurück nach Norwegen.

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